Wenn Millionen Jahre alte Steine zu Kunst werden
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Studienjahr 2026/2027
Das erste Ausbildungsmodul - 'Natursteinmosaik'
Dozent: Dr. phil. Robert Kaller
Was geschieht, wenn Millionen Jahre alte Steine auf die Fantasie eines Menschen treffen? Wenn aus einzelnen Fundstücken Kompositionen entstehen, aus dem Spiel mit Farben und Formen eine eigene Bildsprache wächst und aus einer vagen Idee allmählich ein Kunstwerk wird?
Mit diesen Fragen ist das neue Studienjahr 2026/2027 an der Mosaikbauschule Dortmund unter der Anleitung von Robert Kaller gestartet.

Mosaikbauschule_Natursteinmosaik 
Mosaikbauschule_Natursteinmosaik
14 Studierende des ganzjährigen Ausbildungsgangs und fünf Gaststudierende aus unterschiedlichen Generationen und Berufsfeldern widmen sich dem Thema Natursteinmosaik. Im Mittelpunkt steht das direkte Setzverfahren – eine elementare mosaizistische Erfahrung, bei der die Grundlagen der Flächengestaltung, des Rhythmus, der Komposition und des mosaizistischen ABCs unmittelbar erfahrbar werden.
Ein Meer aus Steinen – und unendlich viele Möglichkeiten
Die Steine bringen ihre eigene Geschichte mit. Millionen Jahre alt, aus den unterschiedlichsten Regionen der Erde, in Farben und Strukturen, die die Natur über unvorstellbar lange Zeiträume hervorgebracht hat. Sie liegen bereit, um in einem Kunstwerk zu neuem Leben zu erwachen.

Mosaikbauschule_Natursteinmosaik 
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Verteilt auf drei Unterrichtsräume, umgeben von zahlreichen Kisten voller unterschiedlichster Natursteine aus aller Welt, beginnt ein künstlerisch-handwerkliches Spiel.
Nach einer Einführung in Technik und Methode geht es ins Sandbett. Steine werden gelegt, verschoben, gedreht, herausgenommen und neu zusammengesetzt. Linien entstehen, Flächen verdichten sich, Farben begegnen einander. Ein Stein findet seinen Platz – oder eben noch nicht.
Denn wie entsteht eigentlich eine Komposition? Folgt man einer festen Vorstellung oder lässt man sich von der Intuition leiten? Was geschieht, wenn die Hände etwas anderes wollen als der Kopf? Welche Rolle spielen Fantasie und Imagination, Licht und Schatten, Ordnung und Zufall?

Mosaikbauschule_Natursteinmosaik 
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Die ganze Vielfalt des Natursteinmosaiks zeigt sich erst im Spiel mit dem Material. Es braucht den Blick, die Hände, die Geduld und den Mut, sich auf das Unvorhersehbare einzulassen.
Probieren, verwerfen, neu entdecken
Die ersten Entwürfe nehmen Gestalt an. Unterschiedliche Ansätze und Kompositionen entstehen, werden verändert, wieder verworfen und neu erfunden. Manchmal ist es nur ein einziger Stein, der alles verändert. Manchmal muss eine ganze Fläche neu gedacht werden.
Es ist ein Ringen um jeden Stein – und zugleich eine Begegnung mit sich selbst.
Wie viel Planung braucht ein Bild? Wann darf etwas entstehen, ohne dass das Ergebnis bereits feststeht? Wie lässt sich eine innere Vorstellung sichtbar machen?
In diesem offenen Prozess gibt es nicht nur einen richtigen Weg. Es geht darum, Möglichkeiten zu erkennen, Entscheidungen zu treffen und der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. Schritt für Schritt entwickelt sich ein Gespür für Material, Farbe, Form, Rhythmus und Komposition.
Mosaikbauschule_Natursteinmosaik Mosaikbauschule_Natursteinmosaik Mosaikbauschule_Natursteinmosaik
Und manchmal nehmen die Steine die Studierenden sogar mit in die Nacht: Einige berichten, dass sie von ihren Steinen geträumt haben – von Farben, Formen und Verbindungen, die sich immer wieder neu zusammenfügen wollten.
Gemeinsam sehen, voneinander lernen
Bei gemeinsamen Rundgängen werden die entstehenden Arbeiten betrachtet. Ideen werden geteilt, Fragen gestellt, Beobachtungen ausgetauscht. Was dem einen zunächst verborgen bleibt, entdeckt ein anderer auf den ersten Blick. Was bei einer Arbeit selbstverständlich erscheint, wird bei einer anderen zur überraschenden Lösung.
So entsteht mehr als eine Sammlung unterschiedlicher Kompositionen. Es wächst eine Gemeinschaft, in der verschiedene Erfahrungen, Persönlichkeiten und Sichtweisen aufeinandertreffen und sich gegenseitig bereichern.
Gerade diese Begegnungen machen den Studienalltag lebendig: Man lernt nicht nur durch die eigene Arbeit, sondern auch durch die Augen und Hände der anderen.

Mosaikbauschule_Natursteinmosaik 
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Den eigenen Kunstraum betreten
Am Ende des Moduls steht keine einfache Formel für das perfekte Mosaik. Vielmehr ist etwas in Bewegung geraten: die Wahrnehmung, die Fantasie, das Vertrauen in die eigenen Entscheidungen und der Mut, persönliche Bildideen zuzulassen.
In der gemeinsamen Abschlussrunde wird deutlich, was in diesen Tagen begonnen hat:
Die Studierenden haben angefangen, ihren eigenen Kunstraum zu betreten.
Einen Raum, in dem aus Neugier Gestaltung wird. In dem handwerkliche Fähigkeiten und künstlerisches Denken zusammenfinden. In dem das genaue Beobachten ebenso wichtig ist wie das freie Experimentieren. Und in dem jeder Stein eine Möglichkeit sein kann, etwas Eigenes auszudrücken.

