Vom freien Farbenspiel zum fertigen Kunstwerk
Aktualisiert: vor 1 Tag
Studienjahr 2026/2027
Das zweite Ausbildungsmodul - 'Farben und Formen im Mosaik'
Dozenten: Dr. phil. Robert Kaller / Ines Pötzinger
„Die Kernaussagen von Kunst haben existentiellen Charakter. Es geht um Archetypen, um Freiheit, Verantwortung, Identität. […] Der Kunst liegt eine lebendige Kraft zugrunde, die sich mit der Welt und deren Phänomenen verbindet. Aus diesem Zeugungsakt von Wahrnehmung und Empathie entsteht eine schöpferische Dynamik, die ständig Neues hervorbringt." (Dr. phil. Robert Kaller)
Mit diesen Gedanken lässt sich beschreiben, worauf sich die Studierenden im Modul „Farben und Formen im Mosaik“ einlassen: auf die Suche nach einer eigenen Bildsprache, auf das Experimentieren mit Farbe und Form und auf die Frage, wie aus einzelnen Elementen eine ausdrucksstarke Komposition entsteht.

Mosaikbauschule_Farben und Formen im Mosaik 
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Wenn Farben in Bewegung geraten
Farbe ist weit mehr als eine Eigenschaft der Dinge. Sie erzeugt Stimmungen, schafft Spannungen, verbindet oder trennt Formen und beeinflusst unsere Wahrnehmung. Im Mosaik kommt eine besondere Dimension hinzu: Hier kann ein einzelnes Element die Wirkung einer ganzen Komposition verändern.
Die Studierenden untersuchen die Gesetzmäßigkeiten, Wirkungen und Gestaltungsmöglichkeiten von Farbe – speziell im Mosaik. Wie entstehen Farbklänge? Welche Beziehungen gehen Farben miteinander ein? Wann harmonieren sie, wann geraten sie in Spannung? Und wie lässt sich eine Farbidee so in eine Mosaikkomposition übersetzen, dass sie ihre ganze Ausdruckskraft entfaltet?
Doch bevor die Farbe ihren Platz im Mosaik findet, darf sie sich zunächst ganz frei entfalten.
Farbe, Fantasie und die Freude am Gestalten
Gemeinsam beschäftigen sich die Studierenden zunächst malerisch mit dem Farbkreis. Anschließend wird auf zwei großen Leinwänden gearbeitet. Farben werden aufgetragen, gemischt und miteinander in Beziehung gesetzt. Die neuen Möglichkeiten der bildnerischen Gestaltung eröffnen einen Raum, in dem ausprobiert, verworfen und neu entdeckt werden darf. Als die Studierenden diese Freiheit für sich entdecken, kommt Bewegung in den Arbeitsprozess. Ein lebendiges Spiel mit Farben und Formen beginnt! Die Farbe wird nicht nur mit Pinseln, sondern auch mit den Händen aufgetragen. Es wird experimentiert, gelacht und mit großer Unbefangenheit gestaltet.

Mosaikbauschule_Farben und Formen im Mosaik 
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Die Farbe lockert die Atmosphäre und setzt kreative Kräfte frei. Gewohnte Vorstellungen treten in den Hintergrund, neue Ideen entstehen. Die gemeinsame Arbeit entwickelt eine eigene Dynamik – ein künstlerisch offener Raum, in dem Fantasie und Experimentierfreude ihren Platz finden.
Die ganze Vielfalt der Farbe zeigt sich erst im freien Spiel mit ihr. Aus dem unmittelbaren Erleben erwachsen erste Bildideen, die nun ihren Weg in die Mosaikgestaltung finden.
Vom Farbklang zur Mosaikkomposition
Nach dem malerischen Experimentieren beginnt die Arbeit am konkreten Mosaik. Farbklänge werden gesucht, Farbkompositionen entwickelt und individuelle Farbideen in unterschiedliche Gestaltungen übersetzt.
Nun zeigt sich, wie eng Farbe und Form miteinander verbunden sind. Welche Elemente verstärken die gewünschte Wirkung? Wo braucht eine Fläche Ruhe, wo Spannung? Wie verändern sich die Farbverhältnisse, wenn einzelne Bestandteile hinzukommen oder an eine andere Stelle wandern?
Es wird ausprobiert, verglichen, korrigiert und weiterentwickelt. In gemeinsamen Besprechungsrunden werden die Kompositionen betrachtet, gestalterische Schwächen erkannt und Möglichkeiten zur Verbesserung diskutiert.

Mosaikbauschule_Farben und Formen im Mosaik 
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Dabei geht es nicht allein um die richtige Farbwahl, sondern um die Entwicklung einer überzeugenden künstlerischen Aussage. Die Studierenden lernen, genauer hinzusehen, Entscheidungen bewusster zu treffen und die Wirkung ihrer Gestaltung zu hinterfragen.
Der gesamte Jahrgang, einschließlich der Gaststudierenden, ist inzwischen in einen gemeinsamen gestalterischen Flow eingetaucht. Jede und jeder sucht auf eigene Weise nach der größtmöglichen Ausdruckskraft des Themas Farbe. Unterschiedliche Ideen begegnen einander, regen an und eröffnen neue Perspektiven.
Das Mosaik wird gewendet – ein spannender Moment
Neben der künstlerischen Gestaltung steht in diesem Modul auch eine technisch anspruchsvolle Methode im Mittelpunkt: das Umkehrverfahren.
Bei diesem Verfahren wird das Mosaik zunächst mit seiner Sichtseite nach unten auf einer vorbereiteten Unterlage gestaltet. Nach der Fertigstellung wird es in Beton eingebettet und gewendet. Erst dann zeigt sich die endgültige Sichtseite – mit einer ebenmäßigen, glatten Oberfläche. Diese Arbeitsweise eröffnet vielfältige gestalterische Möglichkeiten und erlaubt die Kombination unterschiedlicher Materialien. Zugleich verlangt sie Präzision, handwerkliches Geschick und eine sorgfältige Planung. Denn während der Gestaltung bleibt das endgültige Erscheinungsbild zunächst verborgen.
Das Finale ist deshalb nicht nur künstlerisch spannend, sondern auch eine logistische und handwerkliche Herausforderung: Der Mosaikkasten wird mit flüssigem Beton ausgegossen. Estrichmatten und Haken werden eingesetzt, der Kasten geschlossen und anschließend gewendet. Nach dem Entfernen des zweiten Deckels wird das Reispapier vorsichtig abgezogen. Der Beton muss dabei behutsam verdichtet werden, damit das Mosaik sicher eingebettet ist und seine Oberfläche gleichmäßig zur Geltung kommt.
Jeder Arbeitsschritt muss sitzen. Aus der zuvor freien, experimentellen Gestaltung wird ein präziser handwerklicher Prozess, bei dem Konzentration und Zusammenarbeit gefragt sind.
Der Moment, in dem alles sichtbar wird
Dann ist es so weit: Das Mosaik wird gewendet, das Reispapier entfernt.
Was zuvor verborgen war, tritt nun ans Licht. Die Farben und Formen zeigen sich in ihrer endgültigen Anordnung, die einzelnen Steine verbinden sich zu einer geschlossenen Fläche. Das fertige Mosaik erscheint mit seiner glatten Oberfläche – und mit ihm wird sichtbar, was in den vergangenen Arbeitsschritten entstanden ist.
Aus einer Farbidee ist eine Komposition geworden. Aus vielen einzelnen Entscheidungen ein zusammenhängendes Kunstwerk.

Mosaikbauschule_Farben und Formen im Mosaik 
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Der Weg dorthin führte über freies Experimentieren, konzentriertes Beobachten, gemeinsames Reflektieren und präzises handwerkliches Arbeiten. Gerade im Wechsel zwischen künstlerischer Freiheit und technischer Herausforderung liegt der besondere Reiz dieses Moduls.
Denn im Mosaik ist Farbe niemals nur Farbe. Sie ist Beziehung, Rhythmus, Spannung und Ausdruck – und jedes einzelne Element trägt dazu bei, dass aus vielen Teilen ein unverwechselbares Ganzes entsteht.
Die anschließende Reinigung verleiht den fertigen Mosaiken ihre endgültige Brillanz.

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