Die Kraft der Form - Bewegte Wände


"Skulptur ist die Kunst der Buckel und Löcher, die Kunst, die Formen im Spiel von Licht und Schatten darzustellen" (Eduard Trier)

Unser 2. Modul der "Kunstwerkstatt 21" zum Thema ‚Die Kraft der Form – Bewegte Wände‘ findet unter der Anleitung von Robert Kaller (Dipl. Bildhauer und Master of Fine Arts) statt. Das Thema der 4 Tage ist die Betrachtung grundsätzlicher Aspekte zur ‚Gebärdensprache der Form‘, die anhand exemplarisch ausgewählter Beispiele der Bildhauerei aus Vergangenheit und Gegenwart betrachtet und in eine eigene plastische Gestaltungen umgesetzt wird.


Der Vorstellung zu Metamorphose der Form sowie zum Verhältnis von Fläche und Rhythmus folgen Beispiele aus der Baukunst sowie der Idee der „bewohnbaren Skulptur“.

Handwerklicher Techniken, Materialien und Werkzeuge werden vorgestellt und wir beginnen mit praktischen Übungen zur Schaffung von konvexen und konkaven Flächenspannungen. So entstehen eigene Entwürfe zu lebendigen, plastischen Wandgestaltungen sowie die Konzipierung einer Ton-Reliefstudie mit anschließender praktischer Umsetzung mit Gips-Putz auf Mineralfaserplatte.



Die Studenten beginnen mit zeichnerischen Übungen zu Gebärden des Jahreslaufes unter dem Gesichtspunkt von Innen- und Außen-Kräften. Sie entwickeln dabei jeder für sich eine formsprachliche Lösung zu einem Jahreszeitenrelief, dem eingehende Auseinandersetzungen mit den Gebärden der Jahreszeiten und zeichnerische Studien vorausgegangen sind.



Es wird zunächst auf großen Flächen mit Putz gearbeitet. Zu diesem Zweck haben wir die Gruppe geteilt und zwei Themenstellungen für die Gestaltung einer Relieffläche ausgewählt: Das Krankenhaus und das Rathaus. Es wird spannend!

Jede Gruppe beginnt an großen Mustertafeln damit ihre plastischen Entwürfe umzusetzen.



Die Technik des Lampenformens wird erläutert und ein emsiges Arbeiten an den diversen Reliefflächen setzt ein. Die eine Gruppe zupft Sisal, die andere mischt Gips Putz, wieder andere stellen plastische Matten aus Sisal und Gips Putz her und andere bringen diese Matten auf der Musterfläche auf. Zugleich arbeiten die Studenten auch an eigenen Entwürfen für eine Reliefplatte, die sie im Anschluss an das Modul mit nach Hause nehmen werden.


Es entwickelt sich eine wirkliche ‚Kunstwerkstatt-Stimmung‘ mit viel Staub und Maschinenlärm, Werkzeugen und emsigem ‚Kunstwollen‘ und ‚Bildekräfteweben‘.

Die Material-Mischungen werden auf der Wand aufgetragen, Formen entstehen.

Die Kompositionen sind oft asymmetrisch und müssen künstlerisch ausbalanciert werden.

Die vorgeformten Flächen verputzen und spannen. Es ist eine hochkonzentrierte intensive Arbeitsstimmung. Es dampft regelrecht.


Dann ist es soweit: Die Reliefstudien der Studenten stehen als stumme Zeugen künstlerischer Bemühungen sprechend und wirksam da. Ein erhabener Moment voller Kraft und Ausdruck!


Die Studenten der "Kunstwerkstatt 21" verlassen müde und erschöpft, aber mit glänzenden Augen ihre Arbeitsstätte. Sie haben den Stoff und sich selbst bezwungen und die Gestaltungen erweckt, gleichsam ans Licht geholt. Wände beginnen nun zu sprechen, Flächen werden zu Botschaftern von Gefühlen.